Die Handlungsfelder der Jugendstrategie

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Zukunft, Generationendialog, Jugendbilder

Unsere älter werdende Gesellschaft braucht die Jugend – ihre Ideen, ihr Engagement und ihre Potenziale. Gleichzeitig braucht die junge Generation die passenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, um die Herausforderungen der Lebensphase Jugend zu meistern, ihre Potenziale selbstbestimmt zu entfalten und mit Zuversicht in die Zukunft blicken zu können.

  • Die Jugendphase ist ein eigenständiger Lebensabschnitt neben Kindheit, Erwachsenenphase und Alter.
  • Nicht zuletzt angesichts des demografischen Wandels und des damit weiter zurückgehenden Anteils junger Menschen an der Gesamtbevölkerung ist es notwendig, mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen noch mehr ins Gespräch zu kommen, um gegenwärtige sowie zukünftige Bedürfnisse und Interessen der jungen Generation stärker zu berücksichtigen.
  • Es braucht einen realistischen Blick auf Jugend und ihre vielfältigen Lebenswelten. Jugendliche sollen weder auf Probleme noch auf ihr zukünftiges Potenzial reduziert werden. Für einen realistischen Blick auf Jugendliche und ihre vielfältigen Lebenswelten müssen die Sichtweisen junger Menschen auch in Diskurse über Jugend einbezogen werden. Bei der Darstellung von Jugendbildern kommt insbesondere Politik, Medien und Wissenschaft eine große Verantwortung zu.
  • Maßnahmen in allen Politikfeldern können spezifische Auswirkungen auf junge Menschen haben. Es braucht daher eine ressortübergreifende Sensibilität für die mögliche Betroffenheit junger Menschen, um deren Belange bei politischen Entscheidungen angemessen zu berücksichtigen.

Beteiligung, Engagement & Demokratie

Junge Menschen melden sich mit ihren Anliegen zu Wort und wollen gehört und beteiligt werden. Wir wollen junge Menschen für Politik interessieren und für Demokratie begeistern – um gemeinsam gute Jugendpolitik wirkungsvoll zu gestalten.

  • Jugendliche und junge Erwachsene zeichnet eine besonders hohe Engagementbereitschaft aus. Es gilt, dieses vielfältige gesellschaftliche und politische Engagement junger Menschen als wichtigen Beitrag zu einer aktiven, demokratischen Zivilgesellschaft zu unterstützen.
  • Junge Menschen sind Expertinnen und Experten in eigener Sache. Das Einbringen ihrer Sichtweisen und Erfahrungen sowie ihre Mitgestaltung der gesellschaftlichen Realität und der Zukunft lassen sich durch keine andere Perspektive ersetzen. Erfahrungen der Selbstwirksamkeit und positive Demokratieerlebnisse tragen dazu bei, junge Menschen für Politik zu begeistern. Beteiligungsstrukturen, die von Jugendlichen mitentworfen werden, sind dafür besonders wichtig. In diesem Sinne ist wirksame Beteiligung junger Menschen und ihrer Interessenvertretungen ein wesentliches Element einer lebendigen Demokratie, das es auf allen politischen Ebenen anzuerkennen und zu stärken gilt.
  • Politische Bildung im Jugendalter ist ein wichtiger Baustein, um Demokratie und demokratisches Bewusstsein angesichts zunehmender Komplexität und Kontroversen sicherzustellen. Demokratiebildung muss dabei mehr sein als das Erlernen politischer Strukturen und ihrer Wirkungszusammenhänge. Demokratische Werte und Prozesse müssen mithilfe unterschiedlicher zielgruppen- wie kontextspezifischer Ansätze konkret erfahrbar werden.

Stadt & Land, Wohnen & Kultur

Junge Menschen brauchen gleichwertige Lebensverhältnisse und jugendgerechte Entfaltungs- und Gestaltungsräume – unabhängig vom Ort ihres Aufwachsens. Sie benötigen Zugang zu bezahlbarem Wohnraum und eine jugendgerechte Infrastruktur. Dazu gehören flächendeckende und bedarfsorientierte Angebote der Jugend- und Sozialarbeit, der Kultur und des Sports.

  • In gemeinsamer Verantwortung für alle jungen Menschen wird angestrebt, gleichwertige Lebensverhältnisse und Möglichkeiten der sozialen und kulturellen Teilhabe für junge Menschen unabhängig vom Ort ihres Aufwachsens zu schaffen.
  • Das Vorhandensein jugendgerechter Entfaltungs- und Gestaltungsräume ist ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit von ländlichen Regionen und Städten. Auch Jugendliche und junge Erwachsene benötigen Zugang zu bezahlbarem und bedarfsgerechtem Wohnraum. Darüber hinaus sollten alternative Wohnformen, beispielsweise generationenübergreifendes oder genossenschaftliches Wohnen, stärker gefördert werden.
  • Zu einer jugendgerechten Infrastruktur gehören insbesondere flächendeckende und bedarfsorientierte Angebote der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit, der Kultur, des Sports und der Schulsozialarbeit.

Vielfalt & Teilhabe

„Die“ eine Jugend gibt es nicht. In den Lebenslagen der 12- bis 27-Jährigen in Deutschland spiegelt sich große Pluralität wider. Um Teilhabe für alle jungen Menschen zu ermöglichen, gilt es, Diskriminierung zu thematisieren und unterschiedlichen Benachteiligungen und Belastungen wirksam und inklusiv zu begegnen.

  • Pluralität und vielfältige Lebenswelten kennzeichnen moderne demokratische Gesellschaften. Die Diversität in unserer Gesellschaft spiegelt sich auch in den Lebenslagen der gut 14 Millionen jungen Menschen zwischen 12 und 27 Jahren wider. Eine durch Migration geprägte Gesellschaft ist für die meisten jungen Menschen Normalität. Weitere Dimensionen von Vielfalt, die für Jugendliche eine wichtige Rolle bei der Selbstfindung spielen, sind etwa neben der ethnischen auch die soziale Herkunft, die eigene Religion oder Weltanschauung, Leben mit Behinderungen oder die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität.
  • Alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben ein Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft. Um Teilhabe für alle jungen Menschen zu ermöglichen und der Diversität ihrer Lebenslagen gerecht zu werden, gilt es, strukturelle Diskriminierung zu thematisieren und der Verfestigung unterschiedlicher Benachteiligungen und Belastungen wirksame Strategien entgegenzusetzen.
  • Besondere Unterstützung brauchen junge Menschen, die individuell beeinträchtigt sind  beispielsweise aufgrund von Behinderung oder gesundheitlicher Belastung) und/oder die unter erschwerten bzw. prekären Bedingungen leben. Eine ressortübergreifende Jugendpolitik soll vorbeugend und ausgleichend wirken, um allen jungen Menschen gerechte Chancen zu ermöglichen, indem sie inklusive Angebote der Begleitung und Förderung bereithält.

Bildung, Arbeit & Freiräume

Der Bildungserfolg junger Menschen ist zentral für ihre zukünftigen Erwerbsmöglichkeiten und Lebenschancen. Aufgrund von Verdichtung und Beschleunigung des Alltags, Leistungsdruck und Selbstoptimierung fordern sie mehr Freiräume, also freie Orte und Zeiten zur selbstbestimmten Verfügung.

  • Eine ressortübergreifende Jugendpolitik muss auf das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Leistungs- und Qualifikationsanforderungen und der individuellen Entwicklung junger Menschen Einfluss nehmen und die Balance herstellen. Dabei gilt es, den jungen Menschen Freiräume zu geben, um ihre Persönlichkeit entwickeln zu können. Dazu gehört auch die Möglichkeit, Umwege zu gehen, Sprünge zu wagen und neu anzufangen. Dabei soll jeder junge Mensch die Chance erhalten, den Beruf zu wählen, der zu ihm passt. Denn Bildung und Ausbildung sind der Schlüssel dafür, sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln. Dazu gehören eine an den Interessen junger Menschen ausgerichtete, klischeefreie Berufsorientierung, die Unterstützung beim Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung sowie transparente Perspektiven für einen Einstieg in den Arbeitsmarkt.
  • Lern- und Bildungsorte sollten auch auf die Interessen und Bedürfnisse junger Menschen hin ausgestaltet werden. Um Selbstorganisation sowie non-formales Lernen zu ermöglichen, sollen die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden.
  • Jugendarmut sowie unsichere Beschäftigungsverhältnisse für junge Erwachsene gilt es zu verhindern. Dies schließt eine umfangreiche Berufsorientierung, attraktive (Aus-)Bildungsbedingungen, quantitativ ausreichende Arbeitsplätze, erfolgreiche Übergange von der Schule in eine Berufsausbildung oder ein Hochschulstudium und sichere Perspektiven für einen Einstieg in den Arbeitsmarkt ein.

Mobilität & Digitales

Für jugendgerechte Mobilitätsangebote ist insbesondere ein flächendeckender, bezahlbarer und bedarfsgerechter ÖPNV wichtig. Analoge und digitale Welt sind für junge Menschen kaum zu trennen und müssen ebenso zusammen betrachtet werden, wie die Aspekte Selbstbestimmung, Jugendschutz und Medienkompetenz.

  • Jugendliche und junge Erwachsene sind auf einen Mobilitätsmix angewiesen. Jugendgerechte Mobilitätsangebote vor allem im ÖPNV sollten flächendeckend und bedarfsgerecht ausgebaut werden, flexibel gestaltet sein und den finanziellen Möglichkeiten junger Menschen entsprechen.
  • Jugendliche und junge Erwachsene trennen kaum zwischen analoger und digitaler Welt. Beide Sphären sind für sie bedeutsam und müssen im Diskurs über das Digitale und das Aufwachsen in einer digitalen Welt zusammen betrachtet werden.
  • Die Chancen digitaler Technologien sind zentral für die Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe Jugendlicher und junger Erwachsener und sollten allen jungen Menschen offen stehen. Sowohl die Zugangswege zu digitalen Medien als auch die Vermittlung von Medienkompetenz sollten für alle Jugendlichen sichergestellt werden. Für den Erwerb und die Förderung von Medienkompetenz bedarf es lebensweltorientierter medienpädagogischer Angebote, die einen kritischen und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien fördern. Zugleich gilt es, mit einem zeitgemäßen Jugendschutz die (Persönlichkeits-)Rechte von Jugendlichen im Internet zu stärken und gegen Interaktionsrisiken wie Hate Speech und Mobbing im Internet anzugehen. Für einen sicheren und selbstbestimmten Umgang mit den eigenen Daten bedarf es auch jugendgerechter Informationen zum Datenschutz.

Umwelt

Die Bundesregierung erkennt die Dringlichkeit der mit dem Klimawandel verbundenen Herausforderungen an. Die Beteiligung junger Menschen und ihrer Interessenvertretungen bei der Ausgestaltung umweltpolitischer Maßnahmen soll gestärkt werden.

  • Die Bundesregierung erkennt die Dringlichkeit der mit dem Klimawandel verbundenen Herausforderungen, insbesondere für die jüngere Generation, an. Mit dem Klimaschutzgesetz und den darin festgelegten Emissionsminderungszielen wird ein verbindlicher und überprüfbarer Rahmen geschaffen.
  • Junge Menschen wollen bei der Gestaltung einer ökologisch-nachhaltigen Gesellschaft berücksichtigt werden. Politische Akteure sollten den Dialog mit und die Beteiligung von jungen Menschen und ihren Interessenvertretungen bei der Ausgestaltung umweltpolitischer Maßnahmen weiter stärken.
  • Wirksamer Klimaschutz bedarf der Mitwirkung jedes und jeder Einzelnen. Aus diesem Grund müssen Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung, aber auch die Transparenz hinsichtlich der Umwelteffekte von Konsumgütern und Dienstleistungen gestärkt werden.

Gesundheit

Die meisten 12- bis 27-Jährigen in Deutschland verbringen ihre Jugend bei guter Gesundheit. Wesentliche gesundheitsrelevante Aspekte für junge Menschen sind ausreichende Bewegung, gesunde Ernährung, Suchtprävention, Unfallvermeidung, Stärkung der Gesundheitskompetenz, Prävention sexualisierter Gewalt und eine Reduzierung von psychischen Belastungen. Sie haben große Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit und das Wohlbefinden und können zur Vermeidung von teilweise erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen bis ins spätere Erwachsenenalter beitragen.

  • Während der Großteil junger Menschen die Lebensphase Jugend bei guter Gesundheit verbringt, neigen einzelne Gruppen zu einem höheren Risikoverhalten, das sich in gesundheitsschädigendem Verhalten niederschlagen kann.
  • Die Förderung der Gesundheitskompetenz junger Menschen leistet einen grundlegenden Beitrag zu einem gesunden Aufwachsen und sollte als politische Querschnitts- und gesamtgesellschaftliche Bildungsaufgabe verstanden werden. Dabei sollte das individuelle Verhalten ebenso in den Blick genommen werden wie die jeweiligen Rahmenbedingungen und Lebenslagen. Eine frühe und wirksame Förderung des gesundheitsorientierten Handelns trägt mit zur Verbesserung der gesundheitlichen Chancengleichheit bei.
  • Es gilt, junge Menschen mit angemessenen und wirksamen Angeboten zur Förderung der Gesundheit aktiv zu unterstützen.

Europa & die Welt

Durch das Überschreiten nationalstaatlicher Grenzen eröffnen sich jungen Menschen neue Erfahrungs- und Entfaltungsmöglichkeiten. Alle jungen Menschen brauchen Möglichkeiten, sich mit internationalen Entwicklungen auseinanderzusetzen und Europa aktiv mitzugestalten.

  • Es gilt, die Anliegen und Themen junger Menschen im europäischen und internationalen Kontext ernst zu nehmen und in die Politikgestaltung einzubeziehen. Insbesondere müssen bestehende Maßnahmen zur Mitwirkung junger Menschen und ihrer Vertretungen an der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit gestärkt und neue Wege und Formate erprobt werden.
  • Alle jungen Menschen müssen Europa und seine Vielfalt aktiv erleben können. Sie brauchen Möglichkeiten, sich mit europäischen Entwicklungen kritisch auseinanderzusetzen, sich mit Engagement für Europa, die europäische Solidarität und das europäische Zusammenwachsen einzusetzen sowie Europa aktiv mitzugestalten. Die Vorteile eines vereinten Europas müssen für alle jungen Menschen auch vor Ort stärker erlebbar werden.
  • Durch das Überschreiten nationalstaatlicher Grenzen eröffnen sich jungen Menschen neue Erfahrungs- und Entfaltungsmöglichkeiten. Dies fördert Toleranz und trägt zu interkultureller Verständigung bei. Grenzüberschreitende Mobilität sollte deshalb von einer Chance für wenige zu einem Angebot für alle jungen Menschen werden und bedarf einer stärkeren Anerkennung und Würdigung, sowohl in der formalen als auch non-formalen Bildung.
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Jugendgerechte Kommunikation

Das Verhältnis zwischen Jugend und Politik justiert sich neu. Einerseits sind junge Menschen politisch interessiert und haben Vertrauen in die Demokratie. Auf der anderen Seite begegnen sie Parteien sowie Politikerinnen und Politikern mit Skepsis.

  • Ein übergreifendes Anliegen im Umsetzungsprozess der Jugendstrategie ist die Verbesserung der Kommunikationswege von Jugend und Politik. Dahinter steht das Ziel, zwischen Jugendlichen und Vertreterinnen bzw. Vertretern der Bundespolitik einen Dialog auf Augenhöhe zu schaffen. Denn eine gelungene Kommunikation zwischen Jugend und Politik stellt die Grundlage für ein konstruktives Miteinander und somit die Voraussetzung für eine lebendige Demokratie dar.
  • Vor diesem Hintergrund arbeitet das Bundesjugendministerium an innovativen (digitalen) Formaten, die der Kommunikation mit jungen Menschen gerecht werden. Entsprechend der Leitlinie „Politik für, mit und von Jugend“ werden Jugendliche auch in diesen Entwicklungsprozess einbezogen. Im Zentrum steht die Frage, wie möglichst viele junge Menschen in ihrer Vielfalt mit Informations- und Kommunikationsangeboten im Kontext der Jugendstrategie erreicht werden können und wie Themen für Jugendliche spannend vermittelt und attraktiv gestaltet sein müssen.